Lesereise Satire

Zuweilen ein Narr

Die Feder führt ihn schlicht dorthin,
wo sich ein Ding bewegt in seinem Sinn,
anders herum, mit Synonymen ausgedrückt,
dem Dichter ist schon wieder das Gedicht
von ursprünglich gedacht,
drauf` hat er einen Reim gemacht -
mißglückt.
CS
Was Adalbert, der Künstler, wieder angestiftet
Lächerlich hellt der Laternenmond
dort am nächtlich überwältigenden Troß
wie ein Gehänge, ganz weit hinten.
Helden auf der Flucht,
Schwerter,Speere, Messerklingen,
wie Sterne blinken,
keiner, dem in seiner Not der Herr erschienen.
Und wie der Blicke Schweif uns fortnimmt, driftend,
angesogen von dem einzig malerischen Fixpunkt im Plafond,
wo sturzbetrunkne Söldner hoch zu Roß
in Blickes Richtung nirgend finden,
was ihren Aufenthalt und Ritt bezweckt...!
hat den Kaplan und mich als Architekt erschreckt.<<
>>Der Altar!<< ruft da eine Stimme staunend
aus des Publikumens Raunen hoch und glänzt,
und wie ein Glockenturm ragt prompt hervor,
was irgend an ein Wunder grenzt.
Die Enthüllung der Gestalt stand noch bevor,
an Seilen hing, vertuscht von Helfershänden,
was Adalbertens Werk ergänzt.
Und so, als ob ein Schauer über allem niederging, fielen
von der Decke zentnerschwere Draperien.
Da sah man Christus, Gottes Sohn,
selbst ein Gebäude, stockwerkgroß,
und angelehnt an seinem Haupte hing, fast schwerelos,
des Kirchenschiffs monströse Konstruktion.
>>Geschmacklos - Frevel - reißt dies Machwerk ein!<<
schalt da das Publikum und riß es ein,
und begriff doch wieder nicht den Kausalzusammenhang
zwischen Gott, zwischen Kirche, dazwischen Adalbertens Tatendrang.
CS

Autorenhomepage Christian Sander/www.lesezeichen100.de/copyright 2009
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