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                    Lesereise Fantasy

 

 

 

Lied der Lurche

 

Wie Waldesrauschen klang ihr heimlicher Gesang,

den ich, nichtsahnend, einsam gehend neben meinem Pferde

unter des Himmels Finsterblau und Ferne,

nah den Weihern und des Baches Lauf empfand

und plötzlich unterbrach,

und fühlte ihn danach

wie einen drohend, unausweichlich hohen Gegenstand,

der mich bezwang zu sein wie er, verwurzelt in der Erde

wie ein Baum, vor dem ein Fäller stand.

 

 

Die Zügel straff, umklammert` ich des Pferdes Wange,

und fragte mich, wem von uns beiden war`s  nun bange,

und nahm die Furcht (wie fürchterlich) auf mich,

so dass das treue Pferd aus Furcht ganz plötziglich

vor mir, vor seinem Wegbegleiter wich,

und tat, als ginge es die Stille gar nichts an,

des Reiters Furcht schien, hatte ihm viel Schlimm`res angetan.

 

Doch nahm die Stille leise ab und des Gesanges Klang

schwoll wieder an;

gottlob sah ich mein treues Pferd

nicht allzu weit von mir entfernt,

so dass ich`s  ohne Furcht, mit Zärtlichkeit bezwang-

mich sanft auf seinen Rücken schwang,

aus hoher Sicht dem erdennahen Lurchgesang

nun zuzuhören, der doch eigentlich ganz angenehm,

wie sagte ich es doch vordem-

wie Waldesrauschen klang.

CS

 

  

Walpurgisnacht

 

In den Kreisen, die das Heil

zu verkehrtem Sinne treiben,

an geweihten Orten sich verweilen

schauerlich in nächt`ger  Stund`,

ward heft`ger  Zorn entbrannt

um des Dämons garst`ges  Beil,

an dessen Stiel der Toten Hände rieben,

vermummte Häupter die Verliebten,

Gottvermählten mit Haß und Hieben

 

 

 unterwarfen ihrer Zunft,

denn dem Schärfsten unter ihnen,

als er zum Himmel hob das grause Instrument,

um es dem Lästerlichen darzubieten,

das Blutbad in den Vollmondnächten

zum Spot des Schöpfers anzurichten,

schlug heiß der Blitz aus nächt`gem  Himmel

erst ins Gerät, dann ins Gebein,

dann schlug ein zweiter nebendrein

und hieb das Beil,

das brennend wie ein Flammenspieß

auf den Leichnam niederstieß,

mit barst`ger  Wucht nochmal entzwei.

 

Dies Zeichen ward für einen Teil

der Eingeschwornen Schicksalsomen,

dem gottesfrevlerischen Zirkel

von Stund` an nicht mehr beizuwohnen

und zogen sich zurück,

der Toten Rache an den Sündern,

an den Heilgelehrten, Heilverkündern,

an den sogenannten Gotteskindern

nun an sich selbst zu fürchten und zu sühnen

durch den von eigner Hand vollzognen Tod.

 

Und ließ der Herr in dieser Nacht,

sei`s  drum, den Menschen ihre Niedertracht

und ließ es zu, um was ihr krankes Herz begehrt`,

mit keiner Regung mehr

hat er ihr Handeln abgewehrt,

auf dass ein kleiner Kreis verbliebe,

der sich im Morgengrau bemühe,

zu hoffen auf des Heilands Wiederkehr.

                            CS

 

 

 

Der Prinz und das Mädchen

 

Es klingt ihr froher Minnesang

hoch auf zu seinem Tore,

öffnet er den Palastvorhang,

spielt ihm ein Stück Folklore,

dazu ihr trauter Bogenstrich

so zart noch nie der Fiedel wich

an sein verliebtes Ohre.

 

 

 

                                                                   Wünscht er sich doch ein Freier sein,

                                                                   ohn` Hang an Pflicht und Krone,

                                                                   sehnt er sich dieses Mädel frein,

                                                                   dass ihr Gesang ihm lohne

                                                                   gemeinsam sich des Glückes freun,

                                                                   niemals ein Herrscher drüber sein,

                                                                   sein Herz an ihrem wohne.

 

                                                Dem Jüngling sah der Vater gleich,

                                                gebunden an dem Throne

                                                befahl er doch, man möge gleich,

                                               damit sein Sohn sich schone,

                                               des Mädchens Liebe an ihn binden,

                                               was kümmern ihn Protestesstimmen,

                                               sein ist ein ganzes Königreich.

 

                           Vater, sprach der, lieb Vater, nein,

                           mein Wille soll nicht deiner sein,

                           entbindet mich des Zepters Pflicht,

                           der Teufel schert sich um mich nicht,

                           wenn ich der Liebe Gotteslohn

                           in Anspruch nehm, denk an den Sohn,

                           der nur aus deinem Herzen spricht.

 

Des Vaters Trauer nahm er hin,

eine Prinzessin schuld` er ihm,

nun sang stattdess zur Laute froh

ein Prinz in dem Gesangeschor,

und über alle Herrenländer

flog hin ein Liebespaarvierspänner

der Herzensbotschaft himmelhoch.

                           CS

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Autorenhomepage Christian Sander/www.lesezeichen100.de/copyright 2009

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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